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27. Dezember 2000 / 16:22:11
Hintergrund
Die albanische Frauenorganisation Useful do Albanian Women (UAW) will
mit erzieherischen und psychosozialen Mitteln die albanische Tradition
der Blutrache bekämpfen. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der
Schweiz (Heks)hat das Pilotprojekt mit vorerst rund 80 000Franken
unterstützt.
RNA/heks
Der radikale und schnelle politische Umbruch in
Albanien hat zu einer «Renaissance» des Kanuns geführt. Der Kanun ist
eine Sammlung von alten Gesetzen und Moralcodices der patriarchalischen
Stammesgesellschaft, in der die Blutrache praktiziert wird. Diese kann
mit der Emigration auch in andere Länder exportiert werden.
Der anhaltende Werteverlust und die mangelnde Vorstellung von einer
neuen Sozialgesellschaft haben zudem zu einer Verwilderung der alten
Bräuche und Sitten geführt. So werden nun auch die Kinder in die
Blutrache einbezogen, obschon sie im Kanun ausdrücklich ausgenommen
waren.
Dies führt dazu, dass Kinder zwischen sieben und 14 Jahren aus den
betroffenen Familien nicht mehr in die Schule geschickt werden können,
sondern zu ihrem Schutz eingeschlossen werden. Das Pilotprojekt
beschränkt sich vorerst auf den Norden von Albanien, wo der Kanun am
stärksten verankert ist.
In Zusammenarbeit mit Schulbehörden und einer kleinen, lokalen
Organisation werden die betroffenen Familien aufgesucht, und es wird
ihnen rechtliche sowie psychosoziale Unterstützung angeboten. Zudem wird
den eingesperrten Kindern durch Lehrer Schulmaterial abgegeben.
Gleichzeitig strahlt das lokale Fernsehen für sie
Unterrichtsprogramme aus. Mit Hilfe von Fernsehspots und Plakaten wird
ausserdem in der Bevölkerung für eine Bewusstseinsänderung geworben mit
Slogans wie «Stop der Blutrache! Wir leben in einem modernen Staat und
lösen unsere Probleme auf fortschrittliche Art und Weise.»
Die Ergebnisse dieser Massnahmen sollen im Verlauf des Jahres 2001 an
einer Tagung, zu der auch die Vertreter der Ministerien des Innern
(Polizei), Erziehung und Justiz eingeladen werden, präsentiert und
diskutiert werden. Damit kann eine Koordinationsplattform für die
betroffenen Behörden und die in diesem Bereich aktiven Organisationen
geschaffen werden.
Auskunft: Madeleine Hirsch,
Heks-Projektbeauftragte Albanien Telefon 01 361 66 00. |